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Bis 2023

Nach 20 Jahren: Großbritannien will wieder AKW bauen

Während Deutschland mit der Energiewende und der Abschaltung von Atommeilern Zeichen setzt, rudert Großbritannien in die andere Richtung: Zweieinhalb Jahre nach Fukushima verkündet London den Bau eines neuen Atomkraftwerks. Ein Hintergrund ist die Abhängigkeit vom Erdgas, die man mindern will.

Großbritannien © samott / Fotolia.com

London (dpa/red) - Zweieinhalb Jahre nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima hat Großbritannien neue Pläne zum Bau von Atomkraftwerken verkündet. Mit dem französischen Energiekonzern Électricité de France (EDF) einigte sich die Regierung nach Angaben vom Montag auf die finanziellen Modalitäten für die Errichtung von zwei Reaktoren im westenglischen Hinkley Point. Die Kosten, die zum Teil von chinesischen Investoren aufgebracht werden sollen, gab die Regierung mit 16 Milliarden Pfund (knapp 19 Mrd Euro) an.

"Dies ist ein Symbol für die nächste Generation der Atomkraft in Großbritannien, die für unseren zukünftigen Energiebedarf und die langfristige Sicherheit bei der Versorgung eine wichtige Rolle spielt", sagte Premierminister David Cameron. "Ich hoffe, das ist das erste von vielen neuen Kernkraftwerken in Großbritannien." Die neue Anlage solle bis zu sechs Prozent des Strombedarfs des gesamten Landes beisteuern und bis 2023 in Betrieb gehen.

Chinesische Investoren beteiligt

Die Förderung der Atomenergie ist ein zentrales Element der Strategie der britischen Regierung, fossile Energieträger durch Alternativen mit niedrigem CO2-Ausstoß zu ersetzen. Die Anlage Hinkley Point C soll in rund zehn Jahren in Betrieb gehen. Die endgültige Entscheidung über den Bau, durch den 25 000 Stellen entstehen sollen, ist für kommenden Sommer geplant.

Den Plänen zufolge bekommt der Anlagenbetreiber für jede produzierte Megawattstunde Strom über 35 Jahre einen garantierten Betrag von 92,50 Pfund (rund 109 Euro). Das liegt deutlich über dem Marktpreis von 49 Pfund im vergangenen Jahr. Am Konsortium zum Betrieb der Anlage, die rund 60 Jahre Strom liefern soll, sind auch zwei chinesische Unternehmen beteiligt. Zuletzt war in Großbritannien 1995 mit Sizewell B an der englischen Ostküste ein Atomkraftwerk in Betrieb gegangen. Dort plant EDF eine weitere Anlage.

Zum Hintergrund: Die Stromversorgung der Briten basiert zu fast 50 Prozent auf Erdgas, weitere Gasimporte will die Regierung nicht. Zudem sind die britischen AKW ziemlich überaltert und reparaturbedürftig, und eine wie auch immer geartete Energiewende scheint derzeit nur schwer möglich.

Quelle: DPA