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Sicherheitsprogramm

Oettinger: EU für Gas-Lieferstopp gerüstet

Die EU ist auf einen möglichen Ausfall russischer Gaslieferungen im Winter gut vorbereitet, sagte Energiekommissars Günther Oettinger (CDU) einer Zeitung. Es soll ein Sicherheitsprogramm geben, das unter anderem Gaslieferungen auf dem Schiffsweg umfasst.

Gazprom

Berlin/Brüssel (dpa/red) - "Wir haben (...) einen gründlichen Stresstest von Europas Gasversorgung vorgenommen", sagte Oettinger den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Mittwoch). Die EU-Kommission werde in dieser Woche ein Energiesicherheitsprogramm verabschieden, mit dessen Hilfe der Winter notfalls überbrückt werden könne. "Dazu gehört beispielsweise, dass wir Gas auf dem Schiffsweg erhalten", sagte Oettinger. Norwegen würde mehr Gas liefern. "Europas Mitgliedsstaaten werden sich gegenseitig helfen, indem sie ihre Speicher für alle nutzbar machen. Und es würden Kraftwerke, die mit Gas laufen, vorübergehend mit Öl- oder Kohlekraftwerken ersetzt."

Ein Gas-Lieferstopp aus Russland würde vor allem Osteuropa treffen. Zu diesem Ergebnis kommt die EU-Kommission in einer Analyse, die Oettinger am Donnerstag in Brüssel vorgestellt hat. Das Ergebnis: Die Bürger müssen nicht frieren - wenn die Staaten zusammenhalten. Mit dem Papier soll sich auch der EU-Gipfel kommende Woche beschäftigen.

Wenn Russland den Gashahn zudreht...

Ohne das Gas aus Russland würden Europa am Ende bis zu neun Milliarden Kubikmeter an Gas fehlen, so die Analyse. Das entspricht etwa drei Prozent des Gasverbrauchs. Falls es eng wird, sollte der Studie zufolge zuerst die Industrie ihren Gasverbrauch drosseln. Erst an letzter Stelle wären besonders verletzliche Verbraucher betroffen, die aber jeder EU-Staat anders definiert. Laut EU-Kommission gehören in jedem Land Endverbraucher dazu, in einigen auch Krankenhäuser oder ähnliche Einrichtungen. Laut durchgespielten Szenarien müssten nur Verbraucher in Estland einen kalten Winter fürchten - und nur, falls die EU-Staaten ihre nationalen Märkte gegen den Rat aus Brüssel abschotten.

Für das Papier haben die 28 EU-Länder sowie zehn benachbarte Staaten Analysen dazu beigesteuert, wie sich eine verminderte Gasversorgung und insbesondere ein russischer Lieferstopp bei ihnen auswirken würden.

Derzeit importiert die EU nach Angaben der EU-Kommission mehr als die Hälfte (53 Prozent) ihrer Energie. Insgesamt 90 Prozent ihres Ölverbrauchs muss die EU einführen, beim Gas sind es 66 Prozent.

Hoffnungen auf einen Kompromiss

Oettinger äußerte sich zuversichtlich zu den Gesprächen Moskaus mit Kiew zur Beilegung ihres Gasstreits. "Jetzt besteht die Möglichkeit einer Einigung der Ukraine mit Gazprom über die Lieferung von Gas in diesem Winter", sagte er. "Ich bin zuversichtlich, dass es bei den Gesprächen in der nächsten Woche zu einem Durchbruch kommen kann."

Quelle: DPA