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Vorsorgemaßnahmen

Ostseepipeline für alle Eventualitäten gerüstet

Vorsorge ist besser als Nachsorge: Nach diesem Motto handelt nun die Nord Stream AG, indem sie ein Langzeitlager für Ersatzrohre bauen lässt. Die Einlagerung der Teile erfolgt für den Fall einer Havarie der deutsch-russischen Ostseepipeline - die Wahrscheinlichkeit dafür wird indes als "äußerst gering" eingeschätzt.

Gas-Preisvergleich© by-studio / Fotolia.com

Lubmin (dapd/red) - Bis zum Herbst werde westlich des stillgelegten Kernkraftwerks ein 22.000 Quadratmeter großes Speziallager mit einem 188 Meter langen Hallenkomplex errichtet, sagte der Nord-Stream-Manager für Betrieb und Wartung, Peter Massny, am Donnerstag in Lubmin. In den Komplex würden 5,5 Millionen Euro investiert.

Firma aus Güstrow gewann Ausschreibung

Den Zuschlag für den im April beginnenden Bau erhielt das Güstrower Unternehmen Stahlbau Stieblich, das sich in einem bundesweiten Auswahlverfahren gegen fünf Mitbewerber durchgesetzt hatte. In der Halle sollen bis zu 480 Ersatzrohre sowie Ersatzteile deponiert werden. Die Einlagerung sei für den auf 50 Jahre prognostizierten Betrieb der Pipeline vorgesehen. Der Komplex soll durch die sechs Mitarbeiter der nahegelegenen Anlandestation betreut werden.

Restrisiko bleibt bestehen

Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert bezeichnete die Möglichkeit einer Beschädigung der Pipeline als "äußerst gering". Dennoch nehme man das Restrisiko sehr ernst. Es seien mehrere Havarieszenarien geprüft worden, darunter die Beschädigung der Trasse durch sinkende Schiffe oder einen großkalibrigen Beschuss bei Marinemanövern. Nicht völlig ausschließen könne man auch, dass der Anker eines außer Kontrolle geratenen Tankers die Pipeline verziehen und beschädigen könnte, sagte Ebert. In einem solchen Fall würde das System sofort abgeschaltet und zum Beispiel durch sogenannte Molche inspiziert, die durch den Leitungsstrang geführt würden. Im schlimmsten, aber sehr unwahrscheinlichen Fall müsste wieder ein Verlegeschiff geordert werden, um den beschädigten Trassenabschnitt durch die in Lubmin eingelagerten Rohrsegmente auszutauschen.

Pipeline seit 2011 am Netz

Der erste Strang der Ostseepipeline wurde im November 2011 ans europäische Gasversorgungsnetz angeschlossen. Nach Betreiberangaben wurden bislang drei Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas nach Europa transportiert. Der Zwillingsstrang soll Ende 2012 in Betrieb gehen. Bislang wurden 1.157 der insgesamt 1.224 Kilometer Trasse durch die Ostsee verlegt.