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Langzeitlager

Pipeline erhält Ersatzrohre für den Fall einer Havarie

Nur sechs Wochen nach dem Bau einer 6.400 Quadratmeter großen Beton-Bodenplatte hat in Lubmin die Einlagerung von Zusatz-Rohren der deutsch-russischen Ostseepipeline begonnen. Bislang seien 108 Rohre vom Zentrallager in Sassnitz nach Lubmin gebracht worden, sagte Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert am Dienstag in Lubmin.

Gaskosten© Jaap2 / iStockphoto.com

Lubmin (dapd/red) - Die Rohre sind zwölf Meter lang und mit Beton ummantelt. Sie sind jeweils 25 Tonnen schwer. Die Rohre sind als Reserve für eventuelle Reparaturen während des 50-jährigen Pipeline-Betriebs vorgesehen.

Rohre können jederzeit kontrolliert werden

Täglich werden derzeit etwa 40 Segmente mit 18 Lastern angeliefert. Bis Ende Juni sollen 480 mit einer Betonschicht ummantelte Rohre ankommen. Im Lubmin werden sie mit einem speziellen Rohrstapler auf eine 188 Meter lange Bodenplatte gelegt, um die bis zum Herbst eine Lagerhalle gebaut wird. Die Rohre würden in einem speziell angefertigten Gerüst zu zwei Stapeln in drei Etagen gelagert, sagte Ebert. Auf diese Weise seien eine jahrelange Rundumbelüftung und eine regelmäßige visuelle Kontrolle möglich.

Mit dem Bau des Langzeit-Lagers wappnet sich die Nord Stream AG für den Fall einer Havarie der deutsch-russischen Ostsee-Pipeline. Bis zum Herbst werde dafür westlich des stillgelegten Atomkraftwerks für 5,5 Millionen Euro ein 22.000 Quadratmeter großes Speziallager mit Freifläche errichtet, sagte der Nord-Stream-Manager für Betrieb und Wartung, Peter Massny. Den Zuschlag für den im April begonnenen Bau hatte das Güstrower Unternehmen Stahlbau Stieblich erhalten.

Risiko einer Beschädigung "äußerst gering"

Nord-Stream-Sprecher Ebert bezeichnete die Möglichkeit einer Beschädigung der Pipeline als "äußerst gering". Dennoch nehme die Firma das Restrisiko sehr ernst. Es seien mehrere Szenarien geprüft worden, darunter die Beschädigung der Trasse durch sinkende Schiffe oder einen großkalibrigen Beschuss bei Marinemanövern.

Nicht völlig ausschließen könne Nord Stream auch, dass der Anker eines außer Kontrolle geratenen Tankers die Pipeline verziehen und beschädigen könnte, sagte Ebert. In einem solchen Fall werde das System sofort abgeschaltet und durch "Molche" inspiziert, Geräte, die durch die Leitung geführt würden. Im schlimmsten, aber sehr unwahrscheinlichen Fall müsste wieder ein Verlegeschiff geordert werden, um einen beschädigten Abschnitt durch die in Lubmin eingelagerten Rohre auszutauschen.

Der erste Strang der Pipeline wurde im November 2011 ans europäische Gasnetz angeschlossen. Der zweite Strang soll Ende 2012 in Betrieb gehen. Bislang wurden 1.157 der insgesamt 1.224 Kilometer Trasse durch die Ostsee verlegt.