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Vorwurf

Polen: Russland liefert zu wenig Gas

Der polnische Energiekonzern PGNiG hat einen deutlichen Rückgang der Erdgaslieferungen aus Russland festgestellt. Der russische Versorger Gazprom habe die Lieferungen um ein gutes Fünftel zurückgefahren. Russland weist die Vorwürfe jedoch zurück. Eine akute Knappheit scheint in Polen nicht zu drohen.

Pipeline© James / Fotolia.com

Warschau (dpa/red) - Seit Montag seien die Gaslieferungen um 20 bis 24 Prozent geringer als in den Vereinbarungen mit dem russischen Energiekonzern Gazprom festgelegt, hieß es in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung des Unternehmens. Betroffen seien alle drei Gasleitungen, die Polen über Weißrussland und die Ukraine mit Erdgas versorgten. Die Lücken seien über Lieferungen aus Deutschland und Tschechien gefüllt worden.

Russland weist Vorwürfe zurück

"Zur Zeit wird nach Polen genauso viel gepumpt wie an den vergangenen Tagen: 23 Millionen Kubikmeter", sagte Firmensprecher Sergej Kuprijanow der Agentur Interfax in Moskau. Gazprom lägen zahlreiche Anfragen aus dem Westen vor, die Mengen zu erhöhen. "Wir liefern, soviel wir können. Allerdings müssen wir auch die Speicher in Russland füllen", sagte er.

Technische oder politische Gründe?

Der polnische Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski warnte vor unnötiger Unruhe: Polen verfüge über ausreichende Gasvorräte, betonte er. Nun müsse festgestellt werden, ob es sich um ein technisches Problem handele oder ob die geringeren Gasmengen einen politischen Hintergrund haben, "der uns zu denken geben soll". Polen gehört zu den lautesten Kritikern des russischen Kurses im Ukraine-Konflikt.

Update: EU schaltet sich ein

Nach dem deutlichen Rückgang der Erdgaslieferungen aus Russland an Polen hat sich die EU-Kommission eingeschaltet. "Wir sind in Gesprächen mit den polnischen Behörden, mit den Unternehmen und Regierungen, um mehr herauszufinden und die Situation zu klären", sagte eine Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Donnerstag in Brüssel.

Auch slowakische Versorger berichten mittlerweile über gekürzte Gaslieferungen aus Russland. Am Donnerstag seien um zehn Prozent reduzierte Lieferungen gegenüber der bestellten Menge registriert worden, teilte ein Sprecher des Versorgers SPP in Bratislava mit. Für die Kunden werde das aber keine Auswirkungen haben, hieß es. Die Erdgasspeicher des EU-Staates seien fast zu 100 Prozent gefüllt. Mögliche Gründe für die geringere Liefermenge wurden nicht genannt. Die Slowakei hatte Anfang des Monats eine Pipeline eröffnet, über die die Ukraine künftig auch mit Erdgas aus der EU beliefert werden kann.

Quelle: DPA