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Unbezahlte Rechnungen

Russland droht Ukraine mit Vorkasse für Gas

Russland hat der Ukraine mit Strafen für unbezahlte Gasrechnungen gedroht, sollte das Nachbarland nicht bald umgerechnet 640 Millionen Euro für erfolgte Lieferungen überweisen. Die Geduld des russischen Staatskonzerns Gazprom sei "nicht endlos", warnte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte, er sei "extrem besorgt".

Pipeline© Jim Parkin / Fotolia.com

Moskau/Kiew (dpa/AFP/red) - Das Unternehmen habe dem ukrainischen Staatskonzern Naftogas einen Zahlungsaufschub bis zum 1. Oktober gewährt, aber das Geld sei immer noch nicht eingetroffen, betonte Miller. Sollte die Regierung in Kiew nicht bald zahlen, liefere Gazprom künftig nur noch gegen Vorkasse.

Gas gelangt durch die Ukraine nach Europa

Der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow sagte, die frühere Sowjetrepublik habe "die Lage unter Kontrolle". In der Vergangenheit hatte heftiger Streit um ukrainische Schulden für russisches Gas mehrfach zu Lieferengpässen in Europa geführt. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas nach Westen.

Die Führung in Kiew will trotz Widerstands aus Moskau Ende November ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnen. Russland fordert die Ukraine auf, stattdessen einer gemeinsamen Zollunion zusammen mit Weißrussland und Kasachstan beizutreten. Der neue Gasstreit stehe aber nicht in Zusammenhang mit dem Assoziierungsabkommen, behauptete Kremlsprecher Peskow.

Reisepasspflicht für Ukrainer?

Die Beziehungen beider Länder wurden in den vergangenen Monaten bereits durch ein russisches Importverbot für ukrainische Schokolade sowie verschärfte Zollkontrollen für ukrainische Produkte belastet. Am Sonntag hatte Putin den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch am Schwarzen Meer getroffen, ohne anschließend eine Erklärung abzugeben. Am Montag darauf drohte der russische Außenminister Sergej Lawrow eine Reisepasspflicht für ukrainische Bürger einzuführen. Bislang genügt der Personalausweis für den Grenzübertritt.

Quelle: DPA