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Schuldenabbau

RWE verkauft Gastochter Dea an russischen Oligarchen

RWE kann mit dem Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea den Schuldenberg in Höhe von rund 30 Milliarden Euro ein wenig abarbeiten. Gemeinsam mit dem Käufer, dem russischen Oligarchen Michail Fridman, fand das Unternehmen einen Weg, das Geschäft auch ohne Zustimmung der britischen Regierung abzuschließen.

RWE© RWE AG

Essen (dpa-AFX/red) - Befreiungsschlag für RWE: Der hochverschuldete Energiekonzern hat den milliardenschweren Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea an den russischen Oligarchen Michail Fridman gerettet. Nach langer Zitterpartie fanden beide Seiten einen Weg, das Geschäft trotz Bedenken der britischen Regierung doch noch umzusetzen, wie beide Seiten am Freitag mitteilten. Bis Anfang März soll das Geschäft abgeschlossen sein. Der Kaufpreis liegt mit rund fünf Milliarden Euro nur leicht unter dem ursprünglich vereinbarten Preis. RWE braucht das Geld dringend zum Abbau seiner Schulden.

RWE-Aktien legten zu

Die Börse reagierte erleichtert. RWE-Aktien legten bis zum Nachmittag um gut sechs Prozent zu und waren damit klarer Spitzenreiter im Dax. Zuletzt war die Sorge immer größer geworden, dass das ursprünglich schon vor fast einem Jahr beschlossene Geschäft platzen könnte. Vor allem Großbritannien, wo Dea im Meer nach Öl und Gas bohrt, wollte angesichts des sich zuspitzenden Konflikts mit Russland dem Deal bislang nicht zustimmen. Hinzu kam der Verfall des Ölpreises, der die Dea-Übernahme für Fridman weniger attraktiv macht.

Dea-Geschäft muss getrennt geführt werden

Nach Angaben von RWE muss jetzt nur noch der eigene Aufsichtsrat zustimmen. Scheitern könnte der Deal demnach nur noch daran, dass sich bis zum endgültigen Vollzug eine Katastrophe bei den Förderprojekten ereignet. Kartellrechtliche Genehmigungen liegen einem Sprecher zufolge schon vor.

Beide Seiten passten die Struktur der Übernahme nun so an, dass das Geschäft auch ohne formelle Zustimmung aus London abgeschlossen werden kann. LetterOne verpflichtet sich dabei, das britische Dea-Geschäft für mehrere Jahre getrennt von den restlichen RWE Dea-Aktivitäten zu führen. Es wird in eine niederländische Stiftung ausgelagert. Dea betreibt zudem große Förderprojekte vor der deutschen und norwegischen Küste sowie in Nordafrika.

Rücknahme bei Sanktionen

"Die Parteien gehen davon aus, dass mit der gewählten Konstruktion den Sorgen der britischen Regierung Rechnung getragen wurde", sagte ein RWE-Sprecher. Auch im Fall, dass Dea unter LetterOne am Ende seine Förderlizenzen für britische Ölfelder verliert, bleibe der Deal bestehen.

Lediglich gegen eine weitere Abkühlung des Verhältnisses zwischen Russland und dem Westen hat sich LetterOne abgesichert: Sollten Sanktionen gegen die Gruppe oder ihre Eigner verhängt werden, müsste RWE innerhalb des ersten Jahres nach dem Geschäft die britischen Dea-Aktivitäten zurücknehmen. Auch dafür ist bereits eine Preisformel vereinbart, die das Risiko von RWE begrenzt.

Schulden in Höhe von 30 Milliarden Euro

RWE-Chef Peter Terium zeigte sich nach langen Verhandlungen über Weihnachten und Neujahr zufrieden: Der Verkauf der Dea sei ein wesentlicher Meilenstein der eigenen Strategie und zur Verbesserung der Finanzkraft. "Wir sind auf dem richtigen Weg!" Wegen der Energiewende ist RWE in eine schwere Krise gerutscht. Die Gewinne brechen ein. In dieser Situation sind die Schulden von rund 30 Milliarden Euro zu einem großen Problem geworden. Während Konkurrent Eon inzwischen einen radikalen Umbruch vorbereitet und das gesamte Geschäft mit der Erzeugung von Strom aus Kohle, Gas und Atom ausgliedert, hält RWE am traditionellen Geschäftsmodell fest. Die Essener wollen im Strombereich weiter alles vom der Erzeugung bis zum Vertrieb aus einer Hand anbieten.