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Weniger Abhängigkeit

Schiefergas: Ukraine schließt Milliardenvertrag

Im Streben um mehr Unabhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland setzt die Ukraine auf die umstrittene Schiefergas-Förderung in schwer zugänglichen Gesteinsschichten. Die Regierung in Kiew unterzeichnete am Dienstag einen Vertrag mit dem US-Energiekonzern Chevron über die Ausbeutung von Schiefergas-Vorkommen durch die Fracking-Technik.

Naturkatastrophe© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiew (dpa/AFP/red) – Der US-Rohstoffriese Chevron will mehr als sieben Milliarden Euro in die Schiefergas-Förderung in der finanziell schwer angeschlagenen Ukraine investieren. Vertreter des Konzerns unterzeichneten im Beisein von Staatschef Viktor Janukowitsch ein Abkommen über die Erschließung von schätzungsweise drei Billionen Kubikmetern Erdgas in den westukrainischen Gebieten. Im Januar hatte Kiew bereits mit Shell einen Vertrag über die Ausbeutung von Schiefergas-Vorkommen im Osten des Landes getroffen. Präsident Viktor Janukowitsch sagte am Dienstag, bis 2020 könne sich das Land selbst mit Gas versorgen. In der Hauptstadt der West-Ukraine, Lwiw, hatten im Oktober mehrere hundert Menschen gegen das Projekt protestiert.

Fracking ist umstritten

Beim Fracking wird unter Einsatz eines Gemischs aus Sand, Wasser und Chemikalien Erdgas und Öl aus Schiefergestein-Schichten gelöst. Die insbesondere in den USA zunehmend genutzte Technologie ist höchst umstritten, befürchtet wird unter anderem eine Verseuchung des Grundwassers mit Chemikalien. Umweltschützer kritisieren ebenfalls den immensen Wasserverbrauch bei dieser Technik.

Unabhängigkeit von Russland

Bislang ist die Ukraine extrem abhängig von den Lieferungen aus Russland. Regelmäßig kommt es zum Streit. 2006 und 2009 eskalierten die Auseinandersetzungen, so dass der russische Energieriese Gazprom die Lieferungen an die Ukraine einstellte - und damit auch die Lieferungen nach Europa beeinträchtigt wurden. Die Führung in Kiew teilte mit, dass sie mit der Zahlung ausstehender russischer Gasrechnungen begonnen habe. Der russische Staatskonzern Gazprom kritisierte hingegen, die Ukraine habe bisher weniger als ein Zehntel der geforderten 640 Millionen Euro für erfolgte Lieferungen beglichen. Russland investiert Milliarden, um Pipelines unter Umgehung der Ukraine zu bauen.

Quelle: DPA