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Libyen

Tripolis durch brennende Treibstofftanks bedroht

Nach einem Raketeneinschlag in Tripolis werden Mensch und Umwelt von einer Katastrophe bedroht. Zwei riesige Treibstofftanks brennen, ein angrenzender Erdgasspeicher droht ebenfalls Feuer zu fangen und könnte bei einer Explosion in einem Umkreis von fünf Kilometern schwere Schäden anrichten.

Gasversorgung© mikari / Fotolia.com

Tripolis (AFP/red) - Nach einem Raketeneinschlag in einen Treibstofftank droht der libyschen Hauptstadt Tripolis eine Katastrophe. Die Feuerwehr bekomme den Brand nicht in den Griff, weitere Öl- und Gastanks könnten explodieren, sagte am Montag ein Sprecher des staatlichen Ölkonzerns NOC. Die Behörden forderten Löschflugzeuge aus dem Ausland an. Angesichts der anhaltenden Gewalt in Libyen zog das Auswärtige Amt sein Botschaftspersonal aus Tripolis ab.

Erdgasspeicher könnte explodieren

Im Zuge der Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen wurde der sechs Millionen Liter fassende Treibstofftank am Sonntagabend von einer Rakete getroffen, wie NOC-Sprecher Mohammed Al-Hrari sagte. Da ein angrenzender Erdgasspeicher mit insgesamt mehr als 90 Millionen Litern Fassungsvermögen Feuer fangen könnte, drohe eine gewaltige Explosion. Diese könne in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern schwere Schäden anrichten. Das Energieministerium rief alle Anwohner dazu auf, sofort aus dem Gebiet zu flüchten. Auch ein zweiter Treibstofftank hat mittlerweile Feuer gefangen.

Zu wenig Wasser

Dem NOC-Sprecher zufolge gelang es der Feuerwehr auch nach Stunden nicht, dem Brand mit Löschwasser beizukommen. "Die Wasservorräte gingen schließlich zu Ende, und sie mussten sich entfernen", sagte al-Hrari am Montag. Nach Regierungsangaben boten mehrere Länder an, Löschflugzeuge zu entsenden. Nach Einschätzung von NOC droht eine "Katastrophe für Mensch und Umwelt", sollte das Feuer nicht gelöscht werden.

Treibstoffbehälter in der Nähe des Flughafens

Die Treibstoffbehälter befinden sich entlang der Straße zum internationalen Flughafen von Tripolis. Seit zwei Wochen finden regelmäßig Gefechte um den Flughafen statt. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Samstag 97 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt. Die Gefechte dauerten am Montag an, aus dem Zentrum von Tripolis waren Explosionen zu hören. Ein AFP-Fotograf berichtete, unweit des Feuers seien zur Mittagszeit Grad-Raketen eingeschlagen.

Chaos in Bengasi

Auch in der östlichen Metropole Bengasi herrschen Chaos und Gewalt. Bei Gefechten zwischen Regierungskräften und islamistischen Milizen wurden am Wochenende laut Armee und Rettungskräften 28 Menschen getötet. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen nicht zur Ruhe gekommen. Rivalisierende Milizen kämpfen um die Vorherrschaft und Kontrolle über verschiedene Städte, Landesregionen oder Einnahmequellen.

Keine Sicherheitskräfte

Dennoch ist selbst die Regierung zum Teil auf die Hilfe der Milizen angewiesen, weil es keine funktionierenden Sicherheitskräfte gibt. Wie eine Außenamtssprecherin am Montag in Berlin sagte, wurde das nach Tripolis entsandte Personal am Morgen "aus Sicherheitsgründen vorübergehend evakuiert". Die Botschaft sei aber noch nicht geschlossen und werde ihre Arbeit in der Region fortsetzen. Sobald die Sicherheitslage es erlaube, werde das Personal nach Tripolis zurückgeschickt.

Aufruf zur Flucht

Nachdem eine Reihe von westlichen Staaten wie Deutschland, die USA und Frankreich, ihre Staatsbürger zum Verlassen des nordafrikanischen Landes aufgefordert hatten, veröffentlichten immer mehr Regierungen ähnliche Aufrufe. Italien und Malta schickten Flugzeuge, um ihre Staatsbürger abzuholen. Kairo appellierte an hunderttausende ägyptische Gastarbeiter in Libyen, die umkämpften Zonen Tripolis und Bengasi zu verlassen. Das libysche Gesundheitsministerium warnt vor Folgen für die medizinische Versorgung, nachdem die Regierung der Philippinen die rund 3.000 philippinischen Ärzte und Krankenpfleger aufrief, aus dem Land zu flüchten.

Quelle: AFP