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Gas-Knappheit

Ukraine-Krise: Griechenland will Notfall-Plan für die EU

In Folge der Ukraine-Krise hat Deutschland so viel Erdgas gespeichert wie nie zuvor. Das dürfte aber nicht für Europa gelten. Vor dem Hintergrund möglicher Lieferengpässe gibt es aus Griechenland eine Forderung nach einem Notfallplan für Europa. Die Ukraine bezieht indessen Gas aus der Slowakei.

Ukraine

Hamburg (AFP/red) - In Deutschland ist wegen des milden Winters und Angst vor Lieferengpässen infolge der Ukraine-Krise so viel Erdgas gespeichert wie nie. Zum 1. September befanden sich 19,6 Milliarden Kubikmeter Gas in den Speichern, wie die Online-Ausgabe des "Manager Magazins" am Dienstag unter Berufung auf die Branchenvertretung Gas Infrastructure Europa berichtete. Laut Unternehmensinitiative "Zukunft Erdgas" sei dies ein Allzeitrekord. Die deutsche Erdgaswirtschaft gehe gut aufgestellt in den Winter und werde zuverlässig liefern, sagte der Vorstandssprecher der Initiative, Timm Kehler.

Gas-Kapazitäten europaweit nutzen

Der griechische Energieminister Giannis Maniatis forderte einen europäischen Notfall-Mechanismus im Falle möglicher Engpässe bei der Gasversorgung. "Das Grundprinzip ist die europäische Solidarität", sagte er dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe). Die 28 EU-Staaten seien in unterschiedlichem Maße auf Gas-Lieferungen von Russland über die Ukraine angewiesen.

Er habe in einem Brief an EU-Kommissar Günther Oettinger vorgeschlagen, überschüssiges Flüssiggas nicht mehr zu exportieren, sondern für den eigenen Bedarf in Europa zu lagern, sagte Maniatis der Zeitung. Der Gedanke sei, "dass wir in Europa die verfügbaren Flüssiggas-Kapazitäten in einer solchen Krise gemeinsam nutzen". Griechenland bezieht laut Maniatis 60 Prozent seines Erdgases aus Russland.

Ukraine erhält Gas aus der Slowakei

Die Slowakei begann am Dienstag mit Gaslieferungen in die Ukraine. Dabei leitet sie aus Russland importiertes Gas über eine derzeit ungenutzte Reserve-Pipeline zurück (revers flow). Der slowakische Regierungschef Robert Fico und sein ukrainischer Amtskollege Arseni Jasenjuk waren am Dienstag bei der Inbetriebnahme dabei. Die Pipeline kann bis zum Frühjahr die maximale Kapazität von zehn Milliarden Kubikmetern Gas transportieren. Die Ukraine verbraucht rund 50 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr, 30 Milliarden Kubikmeter erhielt das Land bislang aus Russland. Moskau stoppte die Lieferungen Mitte Juni und verlangte einen höheren Preis, den die Ukraine nicht zu zahlen bereit ist.

Im Westen fürchten Politiker, die Ukraine könne im Winter für Europa bestimmtes Erdgas aus Russland abzapfen. Fast die Hälfte des russischen Erdgases wird über ukrainisches Gebiet geleitet. Kiew hat versichert, diese Option nicht in Erwägung zu ziehen.

Quelle: AFP