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Kaufabwicklung

Ungarn wollen RWE-Anteil an Budapester Gasversorger

Weil RWE trägt einen hohen Schuldenberg abtragen muss, stehen europaweit Beteiligungen des Essener Konzerns zur Disposition. Jetzt hat der staatliche ungarische Energiekonzern MVM sein Interesse an den Budapester Anteilen bekannt gegeben - was der rechtsnationalen Regierung zupass kommen dürfte.

Gasversorgung© mikari / Fotolia.com

Budapest/Düsseldorf (dpa/red) - Der staatliche ungarische Energiekonzern MVM will noch vor Jahresende den 49-prozentigen Anteil von RWE am Budapester Gasversorger Fögaz kaufen. Das sagte Laszlo Koncz, Direktor von Fögaz, der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung Magyar Nemzet (Montag). Die Mehrheitsanteile sollten weiterhin im Besitz der Stadt bleiben. RWE wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren.

Regierung ordnete Preissenkung an

Über den Kaufpreis wolle man auf Grundlage einer demnächst erwarteten Einschätzung internationaler Beraterfirmen verhandeln, sagte Koncz weiter. Fögaz habe in diesem Jahr mit hohen Verlusten kämpfen müssen, weil die Regierung eine Senkung der Energiepreise verordnet habe. Dennoch rechne man zum Jahresabschluss mit einem Gewinn, sagte Koncz. Fögaz beliefert rund 820.000 Kunden.

Der Hintergrund: RWE braucht Geld

Ungarns rechtsnationale Regierung hat sich die Unabhängigkeit von ausländischen Playern auf dem Energiemarkt auf die Fahnen geschrieben, die sich angeblich auf Kosten der Verbraucher bereichern. Im Frühjahr 2014 stehen in Ungarn Parlamentswahlen an. In Branchenkreisen ist bekannt, dass RWE seit einiger Zeit an einem Verkauf seines Joint-Venture-Anteils in Ungarn interessiert ist. RWE will sich wegen der hohen Schuldenlast und der stark geschrumpften Gewinne europaweit von Beteiligungen trennen.

Update: Verträge unterzeichnet

Der Energiekonzern RWE verbucht bei der geplanten Trennung von Randgeschäften kurz vor Jahresende einen kleinen Erfolg. Für seinen 49,83-prozentigen Anteil am ungarischen Gasversorger Fögaz fand das Unternehmen mit dem Energiekonzern MVM einen Käufer. Die Verträge seien unterzeichnet, teilte RWE am Donnerstag mit. Der Preis beläuft sich auf 41 Milliarden Forint (137 Mio Euro). Das Geschäft soll in der ersten Hälfte 2014 abgeschlossen sein. Offen ist noch die Zustimmung von Behörden und der Stadt Budapest, die die übrigen Anteile an Fögaz hält.

RWE-Verkauf geht weiter

Fögaz betreibt den Angaben zufolge ein 5.800 Kilometer langes Gasnetz. Das Unternehmen hat mehr als 820.000 Kunden und gut 1.000 Mitarbeiter. RWE braucht angesichts von fast 31 Milliarden Euro Schulden und sinkenden Erträgen dringend Geld. In diesem Jahr brachte der Verkauf des tschechischen Gasunternehmens Net4Gas 1,6 Milliarden Euro ein. Größter Posten auf der Verkaufsliste ist die Öl- und Gasfördertochter Dea, an der unter anderem der Chemiekonzern BASF Interesse haben soll. Um zu sparen, halbiert RWE zudem die Dividende für dieses Jahr und will zahlreiche Stellen streichen.

Quelle: DPA