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Studie zur Endlagerfrage

Unter dem Salzstock Gorleben könnte sich Gas befinden

Atomkraftgegner sehen sich durch eine neue Studie in ihrer Kritik am Salzstock Gorleben bestätigt. Nach der Untersuchung des Geologen Ulrich Kleemann käme der Salzstock bei einem ergebnisoffenen Standortvergleich als Endlager für hoch radioaktive Abfälle nicht in die engere Auswahl. Die der Nachrichtenagentur dapd vorliegende Studie soll am Dienstagabend in Lüchow öffentlich vorgestellt werden.

Gas-Preisvergleich© by-studio / Fotolia.com

Gorleben (dapd/red) - Der Salzstock liege in einer aktiven Störungszone, unter ihm befänden sich "potenziell gasführende Schichten", schreibt Kleemann. Allein diese beiden Ergebnisse schlössen nach den 2002 festgelegten Kriterien des von der damaligen rot-grünen Bundesregierung ins Leben gerufenen Arbeitskreises Endlager den Standort Gorleben "zwangsläufig" aus. Im Endlagerbereich dürften keine aktiven Störungszonen vorliegen, da Bewegungen an solchen Zonen die Unversehrtheit der geologischen Barriere gefährdeten.

Gas unter dem Endlager nicht auszuschließen

Etwa 15 Kilometer in südwestlicher Verlängerung des Salzstocks befand sich in der Altmark bei Salzwedel die größte Erdgaslagerstätte der DDR. Unterhalb des Salzstocks ereignete sich 1969 in Lenzen östlich der Elbe in rund 3.500 Meter Tiefe eine schwere Gasexplosion.

Kleemann zufolge zeigt eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2004 auf Basis von Bohrungsergebnissen, dass eine "potenziell gasführende Schicht" von der Altmark bis nach Lenzen reicht und unter dem geplanten Endlager-Standort eine Mächtigkeit zwischen 50 und 75 Meter erreicht. Damit sei die Existenz von Gas unter dem Endlager "noch nicht erwiesen, aber möglich".

Ein weiterer bedeutender Standortnachteil von Gorleben ist Kleemann zufolge auch die Tatsache, dass über dem Salzstock eine schützende Tonschicht fehle. An anderen Salzstöcken sei diese noch intakt. Kleemann war bis zum April 2010 als Abteilungsleiter beim Bundesamt für Strahlenschutz für den Bereich Endlagerung zuständig.

Bundesanstalt hat Standortnachteile ausgeblendet

Für seine Studie wertete der Geologe auch die vier von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in den Jahren 2007 bis 2011 veröffentlichten Berichte zu den Erkundungsergebnissen in Gorleben aus. Die BGR ist die für die geologische Bewertung der Erkundung in Gorleben zuständige Behörde.

Nach Darstellung Kleemanns hat die BGR die Standortnachteile Gorlebens weitgehend ausgeblendet. Wesentliche aktuelle Publikationen zum geologischen Bau Norddeutschlands tauchten in den Arbeiten der Bundesanstalt zu Gorleben nicht auf. Kritische Studien würden nicht erwähnt, Zitate aus Fachzeitschriften nur dann hinzugezogen, wenn sie nicht gegen den Standort Gorleben ausgelegt werden könnten.

Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg bezeichnete es am Montag als "besonders skandalös", dass die von der BGR "hingebogenen" Erkundungsergebnisse auch in die "Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben" (VSG) einfließen sollten. Von dieser Analyse, für die acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden, erhofft sich das Bundesumweltministerium Aufschluss darüber, ob ein sicheres Endlager am Standort Gorleben möglich ist.