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Botschaft

USA und China schließen Klimapakt

Im Klimadialog zeichnet sich endlich eine Kehrtwende ab. In der Westantarktis schmilzt das Eis bereits in besorgniserregenden Maßen, die Folgen des Klimawandels sind kaum noch zu beherrschen. Nun lenken auch die USA und China ein und senden mit ihrem Klimapakt ein wichtiges Signal.

Umweltschutz© chuck / Fotolia.com

Berlin/Peking (dpa/red) - Für Überraschung sorgte Chinas Klimabeauftragter Xie Zhenhua, als er im Juli beim Petersberger Klimadialog eine Kehrtwende in der chinesischen Klimapolitik ankündigte. Erstmals stellte er vor dem informellen Forum von 35 Staaten in Aussicht, dass China ein Minderungsziel für den bis Ende 2015 geplanten Weltklimavertrag ankündigen könnte. Nun zeigt sich, dass der Auftritt womöglich kein leeres Versprechen war.

Die Vereinbarung zwischen China und USA

Für die Fachleute kommt es nicht so überraschend, was US-Präsident Barack Obama und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der Großen Halle des Volkes in Peking verkündet haben. Denn seit Monaten wurde verhandelt, auch der Auftritt des chinesischen Klimaministers in Berlin passte ins Bild. Die USA wollen bis 2025 den Ausstoß von Treibhausgasen um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 reduzieren. China will den Ökoenergie-Anteil bis 2030 auf etwa 20 Prozent steigern. Aber fast noch wichtiger: Ab spätestens 2030 soll der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid in China endlich sinken.

Warum ist die Zusage Chinas von solcher Bedeutung?

Der gegenwärtig größte Klimasünder China hat bisher auf die historische Klimaschuld der Industriestaaten verwiesen. Allerdings stammt etwa die Hälfte der seit 1750 vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aus den letzten 40 Jahren, betont der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer. China will weiter wachsen, entsprechend steigen die Emissionen. Die Zunahme der Weltbevölkerung und Wirtschaftswachstum in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern mit einer entsprechenden Kohle- und Ölnutzung macht eine Trendwende so schwer. Laut Klimaforschern muss bis 2030, möglichst schon bis 2020 der Scheitelpunkt der Emissionen erreicht werden, um das 2010 im mexikanischen Cancún vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, noch zu schaffen.

Einigung bis zu den internationalen Klimaverhandlungen

"Beide Länder verpflichten sich auf höchster Ebene zu anspruchsvollen Klimaschutzzielen", lobte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Christiana Figueres, Chefin des Weltklimasekretariats, bezeichnete die beiden größten Klimasünder als die "Schlüsselländer". Bisher haben sie internationale Vereinbarungen ausgebremst. Nun deutet sich aber an, dass sie - wie gefordert - tatsächlich bis Ende März 2015 eigene Minderungsziele für den in einem Jahr in Paris geplanten Weltklimavertrag übermitteln könnten. Darin sollen sich erstmals rund 195 Staaten zu konkreten Minderungszielen verpflichten.

Bewertung durch Umweltschützer

Der Leiter Klimapolitik bei Greenpeace, Martin Kaiser, betont: "Das China erstmals sagt, sie wollen ab 2030 die Emissionen deckeln, ist ein Fingerzeig an andere große Klimaverschmutzer wie Indien, Brasilien und Südafrika." Allerdings müssten die Emissionen weit vor 2025 sinken. Nun wachse auch der Druck auf Kanzlerin Angela Merkel. Deutschland sieht sich zwar als Vorreiter, aber statt 40 Prozent weniger Treibhausgas bis 2020 (im Vergleich zu 1990) läuft es derzeit nur auf 32 bis 35 Prozent weniger hinaus - auch weil trotz des Ökoenergie-Ausbaus (Stromanteil 27 Prozent) die Kohlekraft floriert. "Für die Kanzlerin wäre es mehr als peinlich, wenn sie nächstes Jahr beim G7-Gipfel in Bayern sagen muss, wir schaffen die 40 Prozent nicht", meint Kaiser. Nötig sei ein schrittweiser Kohleausstieg.

Erfolg der Minderungsziele

Klimaverhandlungen sind eine Schnecke. Aber für ein globales Problem gibt es nun einmal kein anderes Forum als die Vereinten Nationen. Und das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll führte bei vielen der beteiligten Staaten zu Erfolgen - aber zum Beispiel die USA machten nicht mit. Laut der europäischen Umweltagentur wird die EU das gesteckte Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgas im Vergleich zu 1990 klar schaffen. Von 1990 bis 2013 sank der Ausstoß der klimaschädlichen Gase bereits um 19,3 Prozent. Gerade die großen Staaten tun sich schwer mit verbindlichen Vereinbarungen, weil der weltweite Gesichtsverlust bei einem Verfehlen des Ziels enorm wäre.

Kann mit dem Pakt von Peking der Klimawandel gebremst werden?

Kaum. Greenpeace-Experte Kaiser betont, jenseits von internationalen Abkommen müsse man schrittweise aus der Verbrennung von Kohle und Öl aussteigen und mehr auf Wind- und Solarenergie setzen. Selbst wenn die Erderwärmung auf drei Grad begrenzt werden soll, müssen laut Experten die Emissionen ab 2040 sinken und bis 2100 gegen null tendieren. Die Zeit drängt: Allein durch das begonnene Schmelzen des westantarktischen Eisschilds erwarten Klimaforscher über lange Sicht einen Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels im Meterbereich.

Quelle: DPA