Startseite
Fehleinschätzung

Verlauf von Erdgas-Pipeline muss umgeplant werden

Im Streit um den Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) haben Anwohner und eine betroffene Gemeinde in Niedersachsen vor Gericht einen Teilerfolg errungen. Die bereits in Bau befindliche Pipeline darf dort nicht wie geplant verlegt werden, unter anderem, da die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden.

Gas-Preisvergleich© by-studio / Fotolia.com

Lüneburg (dapd-nrd/red) - Dies teilte das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg mit. Die verantwortliche E.ON-Ruhrgas AG will die Beschlüsse nun prüfen. Die Gemeinde Stelle (Landkreis Harburg) und einzelner Anwohner hatten gegen den Verlauf der Pipeline geklagt. Die NEL soll über das Gelände einer Grundschule und eines Sportplatzes verlaufen. Der Abstand zu Wohnhäusern beträgt nach bisheriger Planung teilweise nur 30 bis 50 Meter.

Sicherheitsabstände falsch eingeschätzt

Dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, das den Bau der Leitung im Februar genehmigt hatte, hielt das Gericht vor, Sicherheitsbelange falsch eingeschätzt zu haben. So habe die Behörde Sicherheitsabstände zu bebautem Gelände nicht für erforderlich gehalten und lediglich einen zehn Meter breiten Schutzstreifen vorgesehen.

Zudem seien neuere Erkenntnisse zu den Risiken des Gastransports in Pipelines nicht hinreichend ausgewertet worden. Zwar gelte diese Transportart als sicher, Unfälle mit häufig verheerenden Folgen kämen aber doch immer wieder vor, erklärte das Gericht. Hinzu komme, dass alternative Streckenverläufe nur unzureichend geprüft worden seien. Nun liegt es den Angaben zufolge in den Händen des Landesamts und der E.ON-Ruhrgas AG, die für das betroffene Teilstück verantwortlich ist, eine andere Trassenführung zu finden.

Wohin mit der Pipeline?

Das könnte sich als schwierig erweisen, hatte sich der Konzern doch in Verhandlungen mit Grundstückseignern vor Baubeginn nicht einigen können. Erst dadurch war es zu dem Rechtsstreit gekommen. Ein Konzern-Sprecher sagte, die Inhalte der Beschlüsse würden geprüft. Welche Auswirkung das auf den Bau habe, könne er noch nicht sagen. "Es kann sein, dass wir umplanen müssen", sagte der Sprecher. Neben E.ON-Ruhrgas sind Wingas und der niederländische Gasnetzbetreiber Gasuni an dem Projekt beteiligt.

Die insgesamt 440 Kilometer lange NEL soll die in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern anlandende Ostseepipeline Nord Stream mit dem europäischen Erdgasleitungssystem verbinden. Die große Bedeutung des Projekts für die Versorgung der Bundesrepublik und Westeuropas mit Erdgas ist ein Grund, warum das OVG zahlreiche überwiegend wirtschaftlich motivierte Einwände von Gegnern der Leitung zurückgewiesen hat.