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Prozess

VW gefangen im CO2-Skandal

"CO2-Manipulation bei VW" – So oder so ähnlich lauteten die ersten Schlagzeilen zur Abgas-Affäre im Herbst des vergangenen Jahres. Was in den USA begann, hat sich mittlerweile zu einem globalen Problem ausgedehnt. Und der Konzern steht scheinbar erst am Anfang einer ganzen Reihe von Herausforderungen.

AbgaseVW steht vermutlich noch eine Reihe an Gerichtsprozessen bevor.© Stefan Redel / Fotolia.com

Wolfsburg/Bochum – Die Abgas-Affäre bei Volkswagen hat ein globales Ausmaß, in Deutschland läuft die erste große Rückruf-Welle ein halbes Jahr nach dem Ausbruch des Skandals an. Eine der größten Herausforderungen im Abgas-Skandal rollt erst noch auf Volkswagen zu. Das Unternehmen dürfte zahlreiche Schlachten vor Gericht ausfechten müssen.

Werkstatt-Aktionen ab dem 1. Mai

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014. Seit dem 29. Februar läuft offiziell der Rückruf für die großen 2,0-Liter-Antriebe, dabei machen Varianten des Passat und Audi A4 den Anfang. Für den kleinen 1,2-Liter-Motor nennt der Konzern in einem Kundenbrief einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sind dann ab dem 5. September dran.

Über 2 Millionen Modelle sollen ausgetauscht werden

Insgesamt müssen in Deutschland rund 2,5 Millionen VW-Modelle zurück. Beim 1,6-Liter-Antrieb soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. Volkswagen betont, dass alle Fahrzeuge aber auch ohne diese Nachbesserungen "technisch sicher und fahrbereit" seien.

Übersicht möglicher Gerichtsprozesse

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Der Vermögensverwalter AGI - eine Allianz-Tochter - erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. Volkswagen bekräftige mehrfach seine Auffassung, alle Informationspflichten befolgt zu haben.

Einzelne VW-Besitzer vor Gericht

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum äußerte in einem ersten deutschen Verfahren zwar die Ansicht, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch notwendige Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betont allerdings, alle betroffenen Autos seien "technisch sicher und fahrbereit".

Sammelklagen von Aktionären und Kunden

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: "Wir sehen dem ganz gelassen entgegen." Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen.

US-Behörde reichte Klage ein

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

CO2-Falschangaben: Anzeigen wegen Betruges

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert.

Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Quelle: DPA