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Pläne

Wasserstoff könnte Zukunftsmarkt für Nordosten werden

Der Nordosten Deutschlands könnte vom Bau großer Windparks in der Ostsee profitieren und sich als Europas führender Anbieter des Energieträgers Wasserstoff etablieren. Darauf haben am Freitag Wissenschaftler aus acht Ländern während eines Energiesymposiums in der Fachhochschule Stralsund hingewiesen.

Windenergie© Rebel / Fotolia.com

Stralsund (dapd/red) - Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg sollten in den nächsten Jahren ein modernes Infrastrukturnetz aufbauen, um die überschüssige, vom Stromnetz nicht aufnehmbare Windenergie zur Produktion von Wasserstoff zu nutzen, sagte Klaus Stolzenburg vom Oldenburger Ingenieurbüro Planet. Das Büro hat im Auftrag der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) eine Studie für einen kostendeckenden Betrieb von Wind-Wasserstoffsystemen erstellt.

Den Erhebungen zufolge werden die bislang geplanten Offshore-Parks im Jahre 2030 mindestens 3.300 Stunden lang, also mehr als ein Drittel der gesamten Betriebszeit, einen Energie-Überschuss produzieren. "Dieses riesige Potenzial müssen wir nutzen", forderte der Experte.

Kavernenspeicher und Kraftwerk zur Rückverstromung geplant

Die Studie schlägt vor, in der Nähe der beiden Strom-Einspeisepunkte bei Rostock und Lubmin verfügbare unterirdische Salzkavernen zu Speichern für bis zu 4.000 Tonnen Gas auszubauen. Zugleich sollten an Land leistungsfähige Elektrolyseanlagen installiert werden, mit denen aus Wasser Wasserstoff produziert wird, der künftig eine zentrale Rolle in der Energie- und Verkehrswirtschaft spielen werde.

"Pro Stunde könnten mit dem Überschussstrom bis zu 10,5 Tonnen Wasserstoff hergestellt werden", sagte Stolzenburg. Damit würde eine Kaverne binnen 16 Tagen gefüllt sein. Bei höherem Energiebedarf könnte der Wasserstoff dann in einem speziellen Gas- und Dampfkraftwerk zurückverstromt werden.

Wasserstoff-Trailer sollen Tankstellennetz bis Sachsen beliefern

Darüber hinaus könnte sich der Norden zum Marktführer bei der Wasserstoffbereitstellung für neue, mit Wasserstoff betriebene Kraftfahrzeuge entwickeln. In der Studie schlagen die Spezialisten daher den Aufbau einer Flotte von etwa 100 Trailern vor, die jeweils eine Tonne Wasserstoff aufnehmen und damit Tankstellen im Radius von 300 Kilometern beliefern können.

Auf diese Weise würde der gesamte Nordosten Deutschlands bis Sachsen-Anhalt und Nordsachsen abgedeckt, sagte Stolzenburg. An den Zapfsäulen könnte dann ein Kilogramm Wasserstoff für etwa zehn Euro angeboten werden. Damit sei die neue, abgasfreie Technologie vergleichbar mit konventionellen Kraftstoffpreisen. Mit Erlösen von bis zu sechs Euro je Kilo und einem Tagesverkauf von insgesamt 56 Tonnen ließe sich der Wasserstoff nach Einschätzung der Experten durchaus rentabel vermarkten.

Investitionsbedarf wird auf 923 Millionen Euro geschätzt

Nach Angaben von Oliver Ehret vom NOW Berlin bereiten Fahrzeughersteller inzwischen die Markteinführung von Wasserstofffahrzeugen vor. In den vergangenen Jahren habe die Technologie enorme Fortschritte in Sachen Lebensdauer, Leistung und Kosten gemacht. Bis Mitte 2013 sollen bundesweit 130 Brennstoffzellenfahrzeuge in Fahrt gesetzt werden. Die Zahl der Tankstellen werde nach Plänen des Bundesverkehrsministeriums bis 2015 von 15 auf 50 steigen. Allerdings ist für Mecklenburg-Vorpommern bislang keine solche Zapfgelegenheit vorgesehen.

Den Investitionsbedarf für die Wasserstoffoffensive in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg bezifferten die Wissenschaftler auf 923 Millionen Euro. Fast die Hälfte davon entfalle auf den Bau von Elektrolysesystemen. Hinzu kämen Aufwendungen für den Netzausbau, den Kavernenausbau, den Kauf von Tanklastzügen, Füllstationen und den Bau eines Rückverstromungskraftwerks.