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Prognose

Wie die Energiewende sich auf die Nebenkosten auswirkt

Der Deutsche Mieterbund hat schlechte Nachrichten: Verbandschef Franz-Georg Rips sagt weiter steigende Miet- und Nebenkosten voraus, und zwar unter anderem wegen der nun von der Regierung geplanten Energiewende. Allerdings besteht aus Sicht von Experten nur ein indirekter Zusammenhang.

Gaskosten© Jaap2 / iStockphoto.com

Berlin (dapd/red) - Der Grund: Kernkraftwerke produzieren keine Heizwärme, sondern nur Elektrizität. Werden sie vom Netz genommen, muss folglich auch nur eine Alternative für die Stromerzeugung gefunden werden. Dabei geht es um knapp 22 Prozent des deutschen Strombedarfs, die die 17 Reaktoren liefern können.

Die Bundesregierung setzt dabei vorrangig auf erneuerbare Energien wie Wind, Sonne oder Biomasse. Da der Ausbau aber vermutlich nicht schnell genug geht, muss wahrscheinlich übergangsweise auch mehr Kohle und Gas für die Stromproduktion verfeuert werden. Und das hat Folgen, die letztlich auch die Mieter berühren, wie Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband erläutert.

Gebäudesanierung geht ins Geld

Zum einen wird über die stärkere Nutzung fossiler Energien mehr schädliches Kohlendioxid frei. Sollen die deutschen Klimaziele eingehalten werden, müssen an anderer Stelle rasch Treibhausgase reduziert werden. Die Gebäudesanierung bietet dafür großes Potenzial. Deshalb setzt die Regierung darauf, statt derzeit rund ein Prozent künftig jährlich zwei Prozent der alten Gebäude energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das erfordert Milliarden-Investitionen - Mieterbund-Präsident Rips spricht von 10.000 bis 20.000 Euro pro Wohnung. Und diese können die Vermieter nach und nach auf die Bewohner umlegen.

Andererseits sollen der Einbau moderner Heizungen und Fenster und die bessere Dämmung ja auch Energiekosten sparen. Im besten Fall reduzieren sich also die Nebenkosten - und zwar umso mehr, je mehr öffentliches Geld der Staat in die Förderung steckt. Die Regierung peilt dafür nun wieder einen jährlichen Etat von zwei Milliarden Euro an. Derzeit sind es nach einer Sparaktion nur noch 436 Millionen.

Auch Gaspreise könnten steigen

Daneben könnte sich über Bande ein weiterer Zusammenhang zwischen Energiewende und Heizkosten ergeben: Wenn mehr Gas für die Stromerzeugung verwendet wird, könnte dies die Preise auch für Heizgas in die Höhe treiben. Energieexperte Krawinkel sieht dafür aber derzeit keine Anzeichen. "Zurzeit gibt es ein großes Angebot an Gas", sagt der Fachmann der Verbraucherzentralen. Die Preissteigerungsraten seien begrenzt.

Direkte Folgen des Atomausstiegs erwarten viele Experten für den Strompreis, der ja die Mieter in ihrer Rolle als Haushaltskunden ebenfalls trifft. Die Schätzungen, wie teuer Elektrizität werden könnte, gehen weit auseinander - auch weil das künftige Energiekonzept noch nebulös ist. Krawinkel macht den Verbrauchern aber Mut. Die Strompreissteigerung werde mit ein bis zwei Cent je Kilowattstunde moderat bleiben.