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Bundesumweltamt

Studie: Auch geringe NO2-Werte gefährden die Gesundheit

NO2 ist das Gas, wegen dem Dieselfahrzeuge so stark in Verruf geraten sind und möglicherweise in den bestimmten Städten verboten werden könnten. Das Umweltbundesamt legte kurz vor einer entscheidenden Verhandlung des Bundesverwaltungsgerichtes eine neue Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen vor.

Auspuff© Avantgarde / Fotolia.com

Berlin/ Leipzig - Vor der Verhandlung über mögliche Diesel-Fahrverbote am Bundesverwaltungsgericht belegt eine amtliche Untersuchung die Gefahr von Diesel-Abgasen. Rund 6.000 Menschen in Deutschland sterben einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) zufolge pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickstoffdioxid ausgelöst werden. In Städten stammt das NO2 abgekürzte Gas hauptsächlich aus Dieselabgasen. Der Studie zufolge kann es über einen längeren Zeitraum schon in geringen Konzentrationen schwere Folgen haben. Zuerst hatte das ARD-Politmagazin "Report Mainz" darüber berichtet.

Gefahr für Gesundheit auch unterhalb der EU-Grenzwerte

An diesem Donnerstag beschäftigt sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit der Frage, ob Fahrverbote für Dieselautos zulässig sind, um die NO2-Belastung zu senken. Der erlaubte Jahresmittel-Grenzwert der EU liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Studie zeigt, dass bereits eine länger anhaltende Stickstoffdioxid-Konzentration ab 10 Mikrogramm zu Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen kann. Solche Konzentrationen kämen auch in ländlichen Gebieten vor. In Innenstädten sind die Werte teils um ein Vielfaches höher.

Studie: Rund 6.000 vorzeitige Todesfälle durch Stickoxide

Das Umweltbundesamt, dass zum Bundesumweltministerium gehört, will die Analyse Anfang März der Öffentlichkeit offiziell vorstellen. Demnach waren im Jahr 2014 rund 6.000 vorzeitige Todesfälle allein auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, die durch Stickstoffdioxid ausgelöst wurden. Wissenschaftler gehen demnach davon aus, dass auch Schlaganfälle, Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD sowie Diabetes durch Stickstoffdioxid ausgelöst oder verschlimmert werden können.

Für die Studie wurden laut UBA zahlreiche andere wissenschaftliche Untersuchungen ausgewertet. Das Amt hat nach eigenen Angaben dabei nur solche Krankheiten berücksichtigt, bei denen statistische Zusammenhänge mit NO2-Belastungen verlässlich nachgewiesen sind. Die EU, die etwas anders rechnet, geht von mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen als Folge von NO2 in Deutschland aus.

Umfrage zu Fahrverboten für Dieselautos

In der Frage, ob angesichts der Gesundheitsgefahren Dieselautos aus Innenstädten ausgesperrt werden sollten, sind die Deutschen tief gespalten. 43 Prozent der Bürger äußerten in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, sie fänden solche Verbote eher gut oder sogar sehr gut. Genauso viele meinten bei der Befragung im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur jedoch, Diesel-Fahrverbote wären in bestimmten Kommunen eher schlecht oder sehr schlecht.

Damit sind Befürworter und Gegner gleichauf - wobei der höchste Einzelanteil auf diejenigen entfällt, die Fahrverbote für Dieselwagen für "eher gut" halten (24 Prozent). Eine Mehrzahl der Befragten glaubt aber, dass die Autoindustrie nicht genug für die Umwelt tut.

Verwaltungsrichter prüfen frühere Urteile

Die obersten deutschen Verwaltungsrichter in Leipzig prüfen frühere Urteile aus Stuttgart und Düsseldorf. Das Stuttgarter Gericht hatte Fahrverbote die "effektivste" Maßnahme genannt, um den städtischen Gesundheitsschutz zu verbessern. Das Düsseldorfer Gericht urteilte, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge müssten "ernstlich geprüft" werden.Unklar ist, ob solche Fahrverbote auch ohne bundesweite Regelung, etwa über eine "Blaue Plakette", zulässig wären.

Die Städte rechnen nach dem Diesel-Urteil nicht mit kurzfristigen Fahrverboten. Zunächst seien die Länder gefragt, ob und wie sie die Luftreinhaltepläne anpassten, sagte Städtetag-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Der Richterspruch werde in jedem Fall Signalwirkung für die weitere Debatte um saubere Luft haben. Wenn es zu Fahrverboten komme, müssten auch Ausnahmeregelungen, zum Beispiel für Rettungsdienste, Handwerker und Lieferverkehr geregelt werden.

Alle Parteien betonen, dass sie Fahrverbote vermeiden wollen. Zur Senkung der NO2-Werte wird unter anderem über eine Vergünstigung des öffentlichen Nahverkehrs und die Nachrüstung der Abgasreinigung älterer Diesel diskutiert.

Umfrage: Deutsche eher weniger besorgt um die eigene Gesundheit

Sehr große oder eher große Sorgen um die eigene Gesundheit wegen zu schlechter Luft durch Autoabgase machen sich 29 Prozent der Menschen. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) gaben demgegenüber an, eher geringe oder nur sehr geringe Befürchtungen zu haben, dass sie persönlich unter den Emissionen des Autoverkehrs leiden könnten.

Quelle: DPA