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Zukunft

Erdgasbranche will stärker in Förderprojekte investieren

2016 haben die Investitionen in Erdgas-Projekte noch einmal abgenommen. Nachdem nun die neuen Gesetze zum Fracking in Kraft getreten sind, will die Branche wieder mehr Geld investieren, berichtet der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie.

Erdgasindustrie© wildman / Fotolia.com

Hannover - Angesichts der gesunkenen deutschen Erdgas-Produktion 2016 will die Branche bislang zurückgestellte Förderprojekte angehen. "Wir sind bereit, der heimischen Förderung eine neue Perspektive zu geben", sagte Martin Bachmann, Vorstandschef des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG), am Donnerstag in Hannover. Die hiesigen Reserven reichten aus: "Es gibt noch Potenzial für über 20 Jahre."

Nach "Jahren in der Warteschleife" lägen allerdings Milliarden-Investitionen für sogenannte konventionelle Förderprojekte auf Eis. Grund seien Diskussionen über das umstrittene Fracking sowie niedrige Gas- und Ölpreise. Zuletzt hatten sich die Ölpreise international aber wieder etwas erholt. 2016 sei die deutsche Erdgas-Produktion auf 7,9 (2015: 8,6) Milliarden Kubikmeter deutlich gesunken. Im laufenden Jahr werde die Produktion weiter sinken.

Neue Fracking-Regeln seit Februar

Seit Mitte Februar 2017 sind neue Regelungen in Kraft. Dabei geht es auch um Fracking - eine umstrittene Methode, bei der eine Flüssigkeit unter hohem Druck in die Erde gepresst wird, um Gesteinsschichten aufzubrechen, zwischen denen sich Öl oder Gas befinden. Kritiker sehen Gefahren für das Grundwasser durch die dabei eingesetzten Chemikalien. Die neuen Regeln verbieten Fracking - erlaubt sind allerdings vier Probebohrungen zu Forschungszwecken, denen das jeweilige Bundesland zustimmen muss.

Bei unkonventionellen Lagerstätten gebe es Forschungsbedarf, der Prozess sei aber erst ganz am Anfang, erklärte Bachmann. Der Verband wolle sich "sehr aktiv beteiligen". Mit der konventionellen Förderung sei es möglich, langfristig wieder 10 bis 20 Prozent des Erdgasbedarfs in Deutschland zu decken. Nach einer mehrjährigen Anlaufzeit seien drei bis vier neue Förderprojekte pro Jahr denkbar.

Rund 1.000 Stellen wurden abgebaut

Allein im vergangenen Jahr verloren den Angaben zufolge mehr als 1.000 Spezialisten in der Branche ihren Arbeitsplatz. Insgesamt beschäftigten die BVEG-Mitgliedsunternehmen 2016 knapp 8.700 Menschen - nach rund 9.800 ein Jahr zuvor. Immer noch deckten Erdgas und Erdöl mehr als die Hälfte des deutschen Primärenergie-Verbrauchs, betonte Bachmann. Details zu den bislang zurückgestellten Förderprojekten wurden zunächst nicht genannt.

Quelle: DPA