Startseite
Alternative zum Schweröl

Flüssigerdgas: LNG soll die Schifffahrt sauberer machen

LNG, verflüssigtes Erdgas, gilt als aussichtsreicher Kandidat, die Nutzung von Schweröl als Schiffstreibstoff abzulösen. Die Tage der Verbrennung des Öls sind dank verschärfter Umweltvorschriften gezählt. Doch auch LNG hat nicht nur Vorteile.

Erdgastransport© Carabay / Fotolia.com

Leer – Wegen verschärfter Umweltvorschriften dürfen Schiffe von 2020 an nur noch mit schwefelarmem Treibstoff auf den Weltmeeren fahren. Für Nord- und Ostsee gilt bereits jetzt ein noch strengerer Grenzwert von höchstens 0,1 Prozent Schwefel. Damit ist ein Ende des heute noch üblichen Schwerölbetriebs absehbar.

Vor allem Containerschiffe verbrennen dieses Öl, das besonders viele Schadstoffe wie Schwefel, Stickoxide und CO2 freisetzt. Die weltweite Handelsflotte verbraucht nach einer Studie pro Jahr rund 330 Millionen Tonnen Treibstoff. Davon sind 80 bis 85 Prozent hoch schwefelhaltig. Aber auch viele Kreuzfahrtschiffe fahren mit dem Treibstoff, der als extrem klimafeindlich gilt. Rußpartikelfilter und Abgaswaschanlagen greifen nach Einschätzung von Umweltschützern zu kurz.

Vorteile von Flüssigerdgas

Als derzeit schadstoffärmster fossiler Brennstoff für die Schifffahrt gilt "Liquefied Natural Gas" (LNG). Das Erdgas wird auf minus 162 Grad Celsius gekühlt und damit verflüssigt. Dadurch kann es in großen Mengen auf Tankern transportiert werden. Mit Flüssigerdgas werden Stick- und Kohlendioxid in den Abgasen der Schiffe deutlich verringert und auch im Vergleich zu herkömmlichem Marinediesel noch einmal erheblich gesenkt. Der Ausstoß von Schwefeloxiden und Rußpartikeln wird ganz vermieden.

Zusatzmotor und Betankungsanlagen machen LNG teuer

Allerdings sind die Investitionskosten für ein Schiff mit einem zusätzlichen LNG-Motor um 20 bis 30 Prozent höher als für einen herkömmlichen Schiffsantrieb. Für die Schifffahrt sind zudem spezielle Betankungsanlagen nötig. Die gibt es in Deutschland bislang nicht. Bis jetzt sind nur eine umgebaute Borkum-Fähre in Emden und eine neue Helgoland-Fähre mit LNG-Antrieb unterwegs. Beide Schiffe werden regelmäßig mit einem speziellen Tanklastwagen aus den Niederlanden betankt. Der Bau einer Tank-Infrastruktur ist aber derzeit nicht absehbar.

Erst 80 LNG-Schiffe auf den Meeren unterwegs

Vom Jahr 2020 an sollen weltweit bereits 1.000 Schiffe den umweltfreundlichen Treibstoff nutzen, schätzt Schifffahrtsexperte Achim Wehrmann vom Bundesverkehrsministerium. Derzeit sind bereits 80 LNG-Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs, unter anderen fünf Binnenschiffe in den Niederlanden. Eine Reederei in Haren an der Ems plant die Umrüstung eines Containerschiffes. Der Bund hat für 114 Millionen Euro das Behördenschiff "Atair" in Auftrag gegeben. Auch die Meyer Werft baut an ihren Standorten in Papenburg und im finnischen Turku insgesamt sechs Kreuzfahrtschiffe mit LNG-Technlogie.

Quelle: DPA